Überall „Bibliotheken“

Da möchte man einfach mal komplett abschalten vom Unialltag, die Seminare und Vorlesungen vergessen und sich einen Tag lang auf eine Freundin konzentrieren, die bald heiratet. Also ab auf die Hochzeitsmesse und schwupps… schon sind alle Gedanken an Hausaufgaben, Lernen und Uni allgemein vergessen. Konzentriert wird sich aufs Flyereinsammeln von DJs, Kleiderläden, Locations und Diplomringdesigner… und da passiert es: bei einem unscheinbaren Stand eines Fotografen entdeckt man einen Bildschirm, darauf: (die Überschrift) Bildbibliothek und jede menge Fotos. Während die Freundin also über Budgets und Angebote spricht, klickt man sich als Bibliothekswissenschaftsstudentin durch glücklich lächelnde Paare auf dem Bildschirm, um der Sache auf den Grund zu gehen. Um folgendes festzustellen: Die hier angepriesene BildBIBLIOTHEK ist nichts weiter als eine ganz normale Bildgalerie. Nichts als stumpfes durch die Bilder klicken, die nicht einmal einen Titel tragen. Keine Möglichkeit nach Motiven zu suchen oder überhaupt irgendwas zu machen außer…klick…Pärchen auf Rasen…klick…Pärchen auf nem Boot…klick…Zwei Ringe auf Laub…ups…zurück zur Übersicht.

Und das ist kein Einzelfall, nein, denn im nächsten Brautmodengeschäft genau dasselbe Spiel. Diesmal der Bildschirm eines begabten Konditors, der eine Bildbibliothek zur Verfügung stellt, um seine Tortenmeisterwerke zu präsentieren. Die Fotos waren diesmal immerhin beschriftet (z.B. „Doppeldeckertorte rund mit Rosen“) Aber reicht dies aus, um die Zusammenstellung der Fotos eine Bibliothek zu nennen?

Laut Wikipedia gilt diese Definition: „Eine Bibliothek ist eine Dienstleistungseinrichtung die ihren Nutzern Medien zur Verfügung stellt. Diese Medien können Informationen enthalten oder der Unterhaltung dienen.“ Jetzt kann man sich natürlich darüber streiten, ob die Fotos in diesem Sinne eine Informationsquelle sind (die Braut sagt eindeutig ja, schließlich kann sie anhand der Fotos entscheiden, wie ihre eigene Torte vllt., eventuell mal aussehen könnte). Meiner Meinung nach reicht dieses Bisschen Information nicht aus, sondern es handelt sich um normale Bildgalerien mit einem hochtrabendem Namen.

Fazit: Es gibt in Berlin 10.400 Bibliotheksstandorte (Stand 2011: http://www.bibliotheksportal.de/service), die Dunkelziffer ist anscheinend bei Weitem höher, aber lange nicht jede „Bibliothek“ hat ihren Namen auch verdient.

(V.Gödecke)

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