Bibliotheken und Bücher in Filmen

Es ist schon wieder Februar und somit leider Zeit für Prüfungsvorbereitungen, aber auch Zeit für Realitätsflucht Richtung Kino, denn Berlinale und Oscars stehen vor der Tür! Nur was soll das mit Bibliotheken zu tun haben? Ab und zu spielen diese Horte geschriebenen Wortes auch in der Welt bewegter Bilder eine Rolle. Über ein paar bemerkenswerte Auftritte will ich hier einen popkulturell orientierten Überblick geben. Meine Auswahl folgt keiner filmkritisch-qualitativen Richtlinie, vielmehr sind es Filme die ich A) wiederkenne und die B) bekannt genug sind, um sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt zu haben, positiv oder negativ, das heißt zumindest beim Lesen des Titels sofort Assoziationen bei den meisten von euch auslösen. Zudem sollten Bibliotheken in den Filmen entweder als Ort plotrelevanter Ereignisse, bzw. plotrelevanter Information in Erscheinung treten, und Bücher sollten ein wichtiges, vielleicht sogar zentrales Handlungselement darstellen. Auch ein lesebegeisterter Hauptcharakter, der oft mit Büchern gezeigt wird, qualifiziert einen Film als prägend für die mediale Vorstellung lesender Menschen und bibliothekarischer Arbeit. Außerdem handelt es sich um meine persönliche Meinung und Analyse, keine kulturwissenschaftliche Expertise natürlich.

Als ich mich hinsetzte, um diesen Blogeintrag zu verfassen, war es Belle aus Disneys 1991er Adaption des französischen Märchens Die Schöne und das Biest, die mir sofort in den Sinn kam: im Kontext der Dorfgesellschaft, in der Belle und ihr Vater leben, kennzeichnet sie ihre Liebe zu Büchern einerseits als Außenseiterin und Tagträumerin, andererseits für den Zuschauer als tugendhaft und fortschrittlich. Ihre Lesebegeisterung ist neben ihrem Mut und ihrer Selbstlosigkeit wichtigste Charaktereigenschaft, schließlich gelingt es auch dem Biest sie glücklicher und ihm gegenüber wohlwollender zu stimmen, indem er ihr Zugang zur Bibliothek des Schlosses gewährt, in dem er sie gefangenhält. Die Erkundungsszene der Bibliothek ist sicherlich eine der einprägsamsten des Filmes.

Bücherliebende Charaktere sind nicht selten in Kinder- und Familienfilmen, in denen wir sie als Freigeister und vermutlich öfter als Streber wiederkennen (in heutiger Zeit graduell abgelöst durch den Computer-Nerd). Hier liegt sicherlich meist ein pädagogischer Gedanke zugrunde: Die bildende und fantasiebefördernde Wirkung des Lesen wird als so wichtig empfunden, das sie ins visuelle Medium adaptiert und in jenem propagiert wird, beispielsweise in Romanverfilmungen wie Die unendliche Geschichte oder Matilda – in letzterem Film gibt es sogar eine Szene, in der der Adoptivvater des Titelcharakters Matilda ihr das Lesen verbietet und sie zum Fernsehschauen zwingt, woraufhin sie den Fernseher durch telepathische Fähigkeiten zum Explodieren bringt.

Interessant ist der Trope des Bücherwurms als Sidekick in Abenteuerfilmen: Wird auch dem Abenteuer-Remake des Horrorklassikers Die Mumie von 1999 nicht soviel Qualität zugesprochen wie anderen Genrefilmen, ist er in diesem Rahmen immerhin erwähnenswert, weil hier eine etwas zu neugierige Bibliothekarin (verkörpert von Rachel Weisz) die Katastrophe ins Rollen bringt, indem sie aus einem aus einer ägyptischen Grabkammer gestohlenem Buch vorliest und somit die titelgebende Mumie heraufbeschwört. In Das Vermächtnis der Tempelritter (2004), einem Film bekannter durch finanziellen Erfolg als Qualität, ist es eine Historikerin (Diane Kruger), die dem Protagonisten (ein Schatzsucher gespielt von Nicolas Cage) zur Seite steht und ihm sogar unfreiwillig hilft, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung zu stehlen, da sie im National Archive der Vereinigten Staaten arbeitet, wo jene aufbewahrt wird. In der Fortsetzung Das Vermächtnis des geheimen Buches (2007) wird zentrales Handlungselement ein Buch, das den Schatzsuchern den Weg in eine Art unterirdisches Eldorado weist. Dieses Buch befindet sich an keinem geringerem Ort als der Library of Congress in Washington D.C., und den Standort des Buches innerhalb der Bibliothek kennt allein der Präsident der Vereinigten Staaten. Wie die Kollegen der Library of Congress wohl zu der Unterstellung stehen, sie wüssten nicht, wo sich die Bücher in ihrer eigenen Bibliothek befinden, und was die so für brisante Informationen (Kennedy-Attentat, Area 51…) beinhalten? Von den Mitarbeitern des National Archive und deren Berufsethos ganz zu schweigen. Dafür gibt es immerhin einige schmeichelhafte Aufnahmen genannter Institutionen, die eine bessere Wirkung erzielen dürften als jeder Image-Film. Eine weitere Bibliotheksszene findet sich in dem Abenteuer-Kultklassiker Indiana Jones – der letzte Kreuzzug, gefilmt in Venedig. Die Außenaufnahmen stammen interessanterweise von der Kirche San Barnaba, im Film soll es sich allerdings um die Biblioteca Marciana, eine der größten Bibliotheken Italiens, handeln. In jener Szene geht es jedoch weniger um Bücher als um ein Grab eines Kreuzritters, das sich unter dem Gebäude in Katakomben befindet.

Desweiteren begegnet uns bisweilen die mystische Bibliothek, oder die Bibliothek als Hort geheimen oder gar allen verfügbaren Wissens. Jene Bibliotheken enthalten oft Wissen, das potenziell über Jahrhunderte ungelöste religiöse, kulturelle oder naturwissenschaftliche Rätsel aufklären könnte oder gar verschwörerische Organisationen beweisen und entlarven. Ein Berühmtes Beispiel ist sicherlich Der Name der Rose (1986) nach einem Roman von Umberto Eco. Der Film spielt im Jahre 1327, in einem italienischen Benediktinerkloster, in dem im Verlaufe der Handlung grausame Morde geschehen. Schließlich stellt sich heraus, das jene Morde verübt wurden, um die Existenz eines einzigen Buches (Das Zweite der Buch der Poetik von Aristoteles, das die Komödie behandelt) in der umfangreichen und sagenumwobenen Bibliothek des Klosters zu verheimlichen. In Illuminati (2009), nach einem Bestseller von Dan Brown, recherchieren die Protagonisten im Geheimarchiv des Vatikan in einem verschlossen gehaltenen Buch von Leonardo da Vinci. Bibliotheken, die geheimes, mächtiges Wissen enthalten tauchen auch in Star Wars: Episode II Angriff der Klonkrieger in Form der Jedi-Bibliothek und Herr der Ringe: die Gefährten auf.

In Kriminal- und Horrorfilmen treiben Recherchen in Archiven und Bibliotheken die Handlung voran, indem sie Aufschluss geben über Identität oder Motive, sowie benutzte Symbolik von Verbrechern oder übernatürlichen Erscheinungen. So etwa in dem US-amerikanischen Remake des japanischen Horrorfilms Ringu, The Ring (2002) von Gore Verbinski. Die Titelheldin, eine von übernatürlichen Vorkommnissen geplagte Journalistin, sucht in Bibliothek (und Internet, aber damals eher rudimentär) anhand eines Standbildes aus dem Videotape, das den Spuk auslöste, nach Hinweisen auf dessen Aufnahmeort, und ermittelt anhand alter archivierter Zeitungen die Herkunft und Familiengeschichte des Mädchengeistes, der sie verfolgt. In David Finchers Sieben (1995) führt das FBI sogar eine Liste von Bibliotheksentleihungen samt Nutzernamen von Büchern mit von ihnen als potenziell gefährlich indizierter Inhalte – so kommt der Ermittler William Somerset (Morgan Freeman) über ein Buch über die sieben biblischen Todsünden zu einem Bibliotheksnutzer, der sich tatsächlich als Täter herausstellt, sich aber vor der Festnahme noch selbst der Polizei stellt. Einem Szenario, bei dem sich Datenschützern die Haare sträuben dürften.

Und was Horror betrifft, wird sich jede/r von Euch sicherlich an diese angsteinflößende Bibliothekarin erinnern.

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